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Das Französische Paradoxon - Mythos oder Realität?

In den 90ern wurde mit dem Französischen Paradoxon ein Konzept bekannt, mit dem man versuchte die Resilienz der Franzosen gegenüber reichhaltigen und fetten Speisen zu erklären. Trotz dieser ungewöhnlichen und als ungesund eigestuften Diät wurde bei den Franzosen eine ungewöhnlich niedrige Rate an Herz-/Kreislauferkrankungen (KHK = Korona Herzkrankheit) beobachtet.



Dieses Phänomen versuchte man durch den Konsum von Rotwein zu erklären. Rotwein enthält Resveratrol, welches für als blutdrucksenkend und entspannend für die Blutgefäße bekannt ist.

Jedoch, um einen blutdrucksenkenden Effekt feststellen zu können, bedarf es der Menge eines Grammes Resveratrol pro Tag. Um dieses Gramm zu erhalten, müsste ein Mensch zwischen 500 und 2700 Liter Rotwein pro Tag trinken, 800 kg rote Trauben essen oder alternativ 2900 kg Schokolade essen, was aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht weise und empfehlenswert wäre [1].

Der Sinn dieses Artikels hat sich mir nicht so recht erschlossen. Es wurden etliche Studien mit unterschiedlichen Aussagen bemüht, woraus ich nun keinen eindeutigen positiven Einfluss von Weinkonsum auf die Gesundheit wagen würde. Das Ergebnis aus der Studie [2] hingegen lässt eindeutig einen Schluss von moderatem bis starkem Konsum von Wein auf die Sterblichkeit zu. Teilnehmer der Studie, die täglich 3-5 Glässer Wein tranken hatten bis zu einer 50%igen geringere Sterblichkeit gegenüber Teilnehmern, die keinen Alkohol tranken.

Bei Konsumenten von Spirituosen erhöhte sich die Sterblichkeit deutlich, während die von Biertrinkern keinen Unterschied zeigte.

In einem Artikel des Marin Instituts aus dem Jahr 2000, das sich jetzt “alcohol justice” nennt, wird das Thema kontrovers diskutiert: es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens über die schützende Wirkung von Alkohol, wobei man differenzieren muss, wie wir bereits oben gesehen haben, zwischen unterschiedlichen alkoholischen Lösungen und deren Inhaltsstoffen. Bei der Bewertung von solchen Studien macht die Konzentration des Alkohols sowie die Qualität der Inhaltsstoffe offenbar einen Unterschied.

Laut dieses Artikels distanzieren sich mittlerweile auch die Väter des “French Paradox” von dem Erklärungsversuch, dass die geringere Rate an Herzerkrankungen trotz höherem Verzehr an gesättigten Fettsäuren in Frankreich auf den Weinkonsum zurückzuführen ist. www.marininstitute.org.

Mittlerweile ist sogar fraglich, ob die Studie, auf der das Paradoxon basiert, auf verlässlichen Daten beruht. Möglicherweise lautete zur Zeit der Erfassung der Daten nicht bei allen Toten die Diagnose auf Herztod, sodass die Dunkelziffer weit höher ist als bisher angenommen.

Ich bezweifle auch, ob eine eindeutige Relation von Wein zu niedrigen KHK möglich sein wird, da zu viele Faktoren einen Einfluss haben können wie z.B. die Ernährungsweise, die in der Mittelmeerdiät einen weiteren Erklärungsansatz bietet oder der Lebensstil schlechthin, da Wein meist in einem sozialen Umfeld getrunken wird, was sich günstig auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken kann. Auch kann die Genetik eine Rolle spielen oder auf Grund des Nord-Süd-Gefälles die Sonneneinstrahlung, die einen Einfluss auf den Hormon oder Vitaminhaushalt haben kann.

Ich bin der Meinung das French Paradox wird immer Raum für Vermutungen und Spekulationen bieten. Aber was erhofft man sich aus den Studien und unterschiedlichen Erklärungsmodellen. Natürlich, die Weinindustrie erhofft sich eine Absatzsteigerung, die ja nach der Publizierung dieses Paradoxons wirklich eingetreten ist. So ist der Absatz von Rotwein in den USA nach dem Bericht “60 Minutes” von Morley Safer im Jahr 1991 [3] um 44% gestiegen. Die Weinindustrie hat auch etliche Studien in Auftrag gegeben, die einen positiven Zusammenhang zwischen dem Konsum von Rotwein und einer geringeren KHK-Rate bestätigte oder zumindest in Erwägung zog.

Aber was resultiert daraus für den Verbraucher. Ich denke es ist unbestritten, dass zu hoher Alkoholkonsum negative gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Auch die Wirksamkeit und die Vorteile der Einnahme von Antioxidantien wie Anthocyanen und Polyphenolen für die Gesundheit sind unumstritten. Ich habe jedoch bisher noch keine Studie gefunden, welche Auskunft darüber gibt, bis zu welcher Menge an Rotwein die gesundheitlichen Vorteile überwiegen und ab wann der Rotweinkonsum schädlich wirkt. Die eingangs erwähnte tägliche Menge von 3-5 Gläsern Rotwein halte bei weitem übertrieben.

Wein, ob Rot, Weiß oder Rosé ist ein Kulturgut und muss als solches betrachtet werden. Wir von FuntastyFood verkaufen Wein als Genussmittel, als Geschmackserlebnis, das man sich hin und wieder einmal gönnt und nicht als „Jungbrunnen“ oder „Blutdrucksenker“. Wenn ich einen guten Wein genieße, dann tue ich das bewusst und weil ich den Wein genießen möchte und nicht, weil ich mir davon gesundheitliche Vorteile verspreche. Sollten sich diese einstellen, freue ich mich natürlich, ansonsten bin ich sicher, dass ich bei meinem moderaten Weinkonsum keine beeinträchtigenden Folgen befürchten muss.

Zum gezielten Erhalt der Gesundheit bieten sich andere Möglichkeiten, wie sportliche Betätigung, mediterraner Ernährungsstil, ausreichend Schlaf und dergleichen. Auf täglichen, wenn auch moderaten, Konsum von Wein würde ich dabei verzichten.


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